Geschichten, die mich geprägt haben

In meinem technischen Studium hat mich Biochemie am meisten beeindruckt. Cranial-Fluid Dynamics (CFD) und Focusing schließen einen Kreis:
bestimmte Phänomene, zum Beispiel der Physik oder Biochemie, laufen wie von selbst in einem Kreislauf ab. Das funktioniert im Kleinen (zum Beispiel das Leben und die Schwingungen eines Einzellers) wie im Großen (zum Beispiel die Kreisläufe in der Atmosphäre).

Dieses Pendeln „Hinein-Hinaus“, vom Großen in das Kleine, ist für mich durch die Kombination von Focusing und CFD für Themen des Menschen wunderbar abgebildet. Das „implying forward“, wie der Begründer von Focusing, Gene Gendlin sagt, findet sich auch im CFD. Ich muss von außen nichts manipulieren oder steuern, „nur“ den Rahmen in einer dienenden, offenen, staunenden Haltung geben.

Der Mensch im Kleinen, die Welt im Großen ...

Ein Beispiel: von 100% Erdoberfläche sind etwa 71% Wasser.

Der menschliche Körper besteht zu rund 70 % aus Wasser. Dieses befindet sich in zwei Flüssigkeitssystemen. Im Intrazellularraum, dem Bereich innerhalb der Körperzellen, befindet sich ca. 57 % des Gesamtkörperwassers. Im Extrazellularraum, das ist der Bereich außerhalb der Zellen sowie der Blutkreislauf, noch 43 %. (Quelle 08/2014: http://www.stern.de). In der CFD ist vor allem der Liquor von Interesse, das ist die Flüssigkeit zwischen dem Bindegewebe, den Membranen und den Zellen. 500-700ml Liquor werden täglich im Gehirn produziert. Bei 2,4 Liter empfohlener Flüssigkeitszufuhr pro Tag sind dies ca. 20-30%.

Abb.: Magnetresonanztomographie des Kopfes. Kontrastreich heben sich die Meningen (Hirnhäute) ab. Der „schwarze Bereich“ zeigt die Einbettung des Liquor. Quelle: Hellerhoff, Wikimedia

Es ist höchste Zeit, das Wissen, das im Großen funktioniert, für uns Menschen im Kleinen nutzbar zu machen. Der Mensch steht in der Evolution als Mittler zwischen tierischer und inspiritativer (spiritueller) Ebene. Ich sehe es als Aufgabe, diese Verbindung zu leben. Für mich – und für andere nachvollziehbar.

Ein kleiner Schritt in einer Berührung – ein großer Schritt für die Menschheit: vom Homo Sapiens zum Homo Integrans.

Laudatio für einen trauernden Star ...

Auszug einer Rede von André Heller, gehalten am 20. Dezember 2007 zur Verleihung des Billy-Wilder-Awards im Wiener Gartenbaukino an Erika Pluhar.
Erika Pluhars Tochter, Anna, geboren 1961, starb im Oktober 1999 an einem Asthmaanfall.

„Erika hatte so mit Anfang Vierzig sehr viel erreicht, aber noch nicht sich selbst.
Sie stand, glaube ich, mit der Weisheit ihrer Seele und den tiefen, klugen Wünschen dieser Seele noch nicht in bestem Kontakt.
Sie begann allerdings immer öfter von der Unwürdigkeit des Schauspielerberufs zu sprechen, in dem man so sehr fremdbestimmt ist, letztlich auch als Star stets angewiesen auf den Geschmack, den Einfallsreichtum und die Ernsthaftigkeit Anderer.“

Lachfalten des Lebens ...

Aus: Karin E. Leiter, Die Lachfalten Gottes , 2. Aufl. 1995. Innsbruck: Tyrolia Verlagsanstalt

Wenn ich noch einmal leben könnte,

würde ich langsamer gehen, nicht rennen, und mir alles auf dem Weg genauer anschauen.
Ich würde ruhig warten, bis eine Knospe sich öffnet zur vollen Blüte.
Ich würde keinen Regenschirm mehr mitnehmen, keinen Proviant, keine Stiefel und kein Aspirin.
Ich würde nicht mehr auswendig, sondern nur noch inwendig lernen.
Ich würde Befehle und Verordnungen doppelt prüfen und meinen Empfindungen gehorchen.
Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich mehr von der Welt anschauen und mehr Menschen umarmen.
Ich würde den Augenblick auskosten und nicht einer „guten alten Zeit“ nachtrauern oder die nächsten 10 Jahre heute schon verplanen.
Ich würde das Risiko eingehen, ein kindliches Vertrauen zu bewahren.
Ich würde mich weniger schämen und alles aufs Spiel setzen.

Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich im Frühling früher und im Herbst länger barfuß gehen.
Ich würde öfter schreien und Friedhofsmauern bunt bemalen.
Ich würde öfter streiten und öfter versöhnen, mich weniger entschuldigen und klarer meinen Standpunkt vertreten.

Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich viel unverschämter aus dem Rahmen fallen und lauter auf die Pauke hau’n.
Ich würde mich von Gottes Charme ganz hinreißen lassen und mich in seine Lachfalten vertiefen.

Wenn ich noch einmal leben könnte – ich lebe jetzt – also:

Wo ist die nächste Friedhofsmauer?